Am 8. Mai fand anlässlich des 64. Jahrestages der Niederschlagung Nazideutschlands eine Demonstration in Oldenburg statt. Unter dem Motto „Game over Krauts“ liefen ca. 70 Teilnehmer_innen durch Oldenburg und feierten die Befreiung durch die Alliierten. Es war seit Jahren die erste 8.Mai Demonstration dieser Art.

In mehreren Redebeiträgen wurde sich mit dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, der deutschen Erinnerungskultur und deren geschichtsrevisionistischen Tendenzen auseinander gesetzt. So wurde auf die Bedeutung des 08. Mai 1945 eingegangen, der für „alle Alliierten und Partisan_innen“ die „Befreiung von der deutschen Barbarei“ bedeutete.

Über die reine Benennung der Fakten hinaus kam es auch zu einer Kritik an der postnazistischen Gesellschaft und dem Mythos der „Stunde Null“. Außerdem wurde die deutsche Ideologie kritisiert. In einem Redebeitrag hieß es dazu:

„Die deutsche Ideologie fand weder im Nationalsozialismus ihren Anfang noch nach diesem ihr Ende. […] In Deutschland definierte sich diese vor allem durch eine besondere Form der Verschmelzung von Nation, Staat und Gesellschaft, angereichert durch einen reaktionär-antikapitalistisch aufgeladenen Antisemitismus. All‘ das, was die Deutschen kritisierten, wurde Menschen angelastet, die aus diesem Mord-Kollektiv hinaus dividiert werden konnten.“

Ihren Höhepunkt fand diese Entwicklung in der Shoah: Mehr als 6 Millionen Jüdinnen und Juden wurden industriell vernichtet. Daher wurde in einem Redebeitrag, der am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus gehalten wurde, den Opfern der nationalsozialistischen Vernichtungsherrschaft gedacht. Einige Demonstrationsteilnehmer_innen legten im Anschluss Rosen am Mahnmal nieder.

Direkt neben dem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, das sich auf dem Grund der 1938 zerstörten Synagoge befindet, befindet sich der so genannte „Leobschützsstein“, auf dem in geschichtsrevisionistischer Manier den „unvergessenenen deutschen Städten im Osten“ gedacht wird. In einem Redebeitrag wurde auf die Existenz dieses „Steines“ hingewiesen und deren entgültiger Abriss eingefordert.

Jedoch bietet dieser Tag nicht nur Grund zum trauern: Schließlich kann die militärische Zerschlagung des deutschen Nationalsozialismus nur Freude und Genugtuung hervorrufen. Daher gab es – im Anschluss an die Demonstration – eine kleine Party im autonomen „Aktions und Kommunukationszentrums“ Alhambra.

Den Aufruf zur Demonstration findet ihr hier. Die Redebeiträge und viele weitere Informationen zur Demonstration am 08.05.2009 finden sich hier. Eine layoutete Version des Flugblatts und unser Mobilisierungsplakat finden sich hier.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer_innen und den Gruppen, die uns unterstützt haben.