Das Flugblatt zum 8. Mai 2008 wurde während eines Infostands von einem losen antifaschistischen Zusammenschluß an zahlreiche Oldenburger_innen verteilt. Damals wurde mit Sekt, Musik und Muffins die Befreiung vom Nationalsozialismus zelebriert.

Am 8. Mai kapitulierte Nazideutschland. Das Ende von Nationalsozialismus, Barbarei und deutscher Allmachtsfantasie ist ein Grund zu feiern.
Wer das nicht versteht, ist selber schuld!

Zeit zum Feiern.
Wir wollen diesen Tag feiern, für für alle Alliierten und PartisanInnen bedeutet er die Befreiung von der deutschen Barbarei. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung fühlte sich nicht befreit, sondern besiegt. Den 8. Mai als Tag der Befreiung feiern zu können setzt voraus, den Nationalsozialismus als Verbrechen anzuerkennen, sowie einzugestehen, dass die eigenen Eltern und Großeltern zumeist keinen Widerstand leisteten und eine Intervention von außen nötig wurde. Die letzten Kriegsnazis finden in diesen Jahren ihr biologisches Ende, während viele ideologische Bruchstücke, die den zweiten Weltkrieg ermöglichten, noch heute in der Gesellschaft verankert sind.
Wir sind froh, dass den 12 Jahren des Nationalsozialismus ein Ende bereitet wurde.

Flagge zeigen.
Wir zollen allen Alliierten und PartisanInnen unseren Respekt, der deutschen Aggression Einhalt geboten zu haben! Trotz aller Fehler in der politisch-wirtschaftlichen Neuordnung der Welt muss festgehalten werden, dass die alliierten Staaten Frankreich, Großbritannien, die USA, die UdSSR und ihre Verbündeten eine historische Legitimität genossen, in Verantwortung für die Menschlichkeit den deutschen Staat zu zerschlagen. Wir trauern um die Gefangenen und Ermordeten der Shoah, die Homosexuellen, Sinti und Roma, Euthanasie-Opfer, die „Asozialen“ und die politischen GegnerInnen des NS-Regimes.
Allerdings haben wir mit ein paar jammernden „vertriebenen“ Deutschen kein Problem. Wir wollen die Ideologie nicht anhand der Einzelschicksale von TäterInnen diskutieren,
Die enorme Anzahl der Opfer der BürgerInnen der Sowjetunion geht in der aktuellen Debatte um so genannte „Vertreibungen“ unter, in denen das „Deutsche Volk“ sich und seine Vorfahren als Opfer präsentiert.
Angesichts dieser Verdrehung der Geschichte zeigen wir Flagge gegen die deutsche Nation.

Wir zeigen alle Flaggen der antifaschistischen Allianz, jede einzelne mit ihrer kritischen Kolonialgeschichte und widersprüchlichen Herrschaftsstruktur, Obwohl die Allianz nach Kriegsende ziemlich schnell zerbrach, symbolisiert sie doch die Notwendigkeit, gemeinsam gegen die organisierte Barbarei vorzugehen.

Stunde Null.
Das Ende des zweiten Weltkriegs bedeutete das Ende des dritten Reiches, jedoch nicht der ihm zugrunde liegende Ideologien. Die Nazis, die im völkischen Wahn lebten und mordeten, haben sich wider aller Hoffnungen nicht in Luft aufgelöst, sondern sie haben die Gesellschaft der DDR und besonders maßgebend die Entwicklung des Nachfolgestaates BRD und seiner Institutionen beeinflusst.
Die 68er haben viele Tabus gebrochen und die Entwicklung einer liberalen Gesellschaft radikal vorangetrieben, bis sie nach einem „Marsch durch die Institutionen“ einen deutschen Militärangriff gegen Jugoslawien durchsetzen konnten.
Nunmehr 63 Jahre nach seiner Zerstörung, hat sich der deutsche Staat in voller Größe, mit demokratischer Regierung und Verfassung etabliert und die letzten außenpolitischen Tabus fallen im Namen der deutschen Geschichte. In „historischer Verantwortung“ maßen sich PolitikerInnen an, überall auf der Welt die vermeintliche Wiederholung des Holocaust mit deutschem Militär zu verhindern.
Angesichts der als Menschenrechtseinsätzen deklarierten Kriege sagen wir: Es gibt keinen Frieden mit deutschem Militär.

Support Israel.
Vor 70 Jahren organisierten deutsche BürokratInnen und NormalbürgerInnen den industriellen Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden.
Heute bietet der Staat Israel jüdischen Menschen einen Raum, in dem sie sicher sein sollen vor willkürlicher und brutaler Verfolgung.w Allerdings haben der Staat und seine Bevölkerung weiterhin mit konkreten antisemitischen Anfeindungen a la Hamas, Hizbollah und Amedinejad zu kämpfen. Diese Bedrohung gegen das Existenzrecht mit friedlichen Mitteln abzuwenden, ist eine Illusion, die Unterstützung der Israel Defence Forces momentan die realistische Alternative.
Solidarität mit Israel? Eine Notwendigkeit!

Spaß haben in traurigen Zeiten.
Nur über Weltpolitik zu reden ist sicherlich vermessen, wenn sich die Probleme vor der eigenen Tür stapeln: Inflation, große Koalition, Hartz 4, Polizeigewalt, Terror gegen MigrantInnen und Asylsuchende, gesellschaftlich definierte Sexualität. Außerdem feiern Fußballfans fröhlichen Nationalismus und Nazis tummeln sich unter Deutschlandfahnen, der ganz normale Wahnsinn halt.
Eine gesamtgesellschaftliche Bewegung scheint in Deutschland aussichtslos und wird häufig auf nationale Befreiungsbewegungen in der so genannten dritten Welt projiziert. Die gefühlt-eigene Ohnmacht scheint ins deutsch-kollektive Gedächtnis eingebrannt zu sein, wie Bombensplitter in deutsche Eichen.
Trotz 60jähriger demokratischer Tradition, ist es mehr als fragwürdig, ob ein gesellschaftlicher Ruck nicht noch einmal nach rechts gehen würde.
Deshalb soll dieses Flugblatt auch keine illusorischen Revolutionen fordern. Aber:
Wir feiern, dass es schon einmal gelungen ist den deutschen Staat zu zerschlagen. Wir sagen Danke! Gegen jeden Antisemitismus! Nieder mit Deutschland und für den Kommunismus! Prost!